»1. Podcast-Selbstkritiktreffen«
2018-12-27, 22:50–00:20, Bühne

Nicolas Wöhrl, Stefan Schulz und Moritz Klenk wollen mit Podcasterinnen und Podcasthörern über die Finanzierung, Formate und Freiheit des Podcastings diskutieren.

Podcasts sind Flauschzonen, aber unter dem Deckel brodelt es. Immer häufiger kristallisieren sich Themen heraus zu denen es sehr unterschiedliche Meinungen in der Podcastlandschaft gibt. Wie sollte Werbung eingebettet werden? Welche Formate haben Relevanz? Gibt es noch neue Formatideen? Wie wichtig ist die Technik? Wir wollen über diese Themen diskutieren. Und der 35C3 ist der richtige Ort dafür, da nirgendwo sonst so viele Podcaster ihren Hörern begegnen. Üblicherweise bestehen die spontanen Hörertreffen aus Dankesbekundungen und interessierten Nachfragen. Doch wir wollen die Gelegenheit wahrnehmen, unsere Fragen in einem Setting der Debatte aufzuwerfen. Ebenso sind wir daran interessiert, zu erfahren, wie Podcasts tatsächlich gehört werden.

Setting

90 Minuten, 3 + 1 ständig wechselnder Teilnehmer aus dem Publikum, so viel Publikum wie möglich, gleichzeitig und fortlaufend Stimmungsbilder aus dem Publikum durch die interaktive Präsentationssoftware “Mentimeter”.

Ablauf

Jede Diskussionsrunde beginnt mit einer einminütigen pointierten Themenvorstellung, auf die jeweils drei anderthalbminütige Meinungsbeiträge von uns folgen. Dieser Durchlauf eröffnet der Diskussion, zeigt das Meinungsspektrum auf und wir übergeben anschließend an einen Teilnehmer aus dem Publikum. Dieser nimmt auf dem freien Stuhl platz und erweitert die Diskussion mit seiner Meinung. Jeder kann so lang sitzen bleiben, bis er oder sie aus dem Publikum durch abklatschen abgelöst wird. Diskussionsteilnehmer können unbegrenzt häufig an der Diskussion teilnehmen. Nach dreißig Minuten wird das Thema gewechselt und ein neuer Durchlauf beginnt. Zusätzlich ermöglichen wir fortlaufend Impulse aus dem Publikum. Durch den Einsatz der Präsentationssoftware “Mentimeter” kann das Publikum zu jedem Zeitpunkt Stichworte oder kurzes Feedback mit Hilfe des Smartphones auf die Präsentationsfläche werfen. Diese niederschwellige Feedbackschleife ermöglicht die fortlaufende Abbildung eines Stimmungsbildes aus dem Publikum, auf das bei Bedarf eingegangen werden kann und was zusätzlich die Diskussion auf der Bühne bereichern kann.

Themen Finanzierung

Im Sendegate flammt von Zeit zu Zeit die Diskussion über Werbung als Geldquelle für Podcasts auf. Eine ähnliche Diskussion über Hörerfinanzierung gibt es nicht. Dabei gibt es Formatfragen: Wie nimmt man das Geld an? Wie geht man mit den Zuwendungen im Podcast um? Wie fragt man nach mehr Geld? Warum zahlen Hörer freiwillig?

Formate

Zwei Männer sitzen im Wohnzimmer und unterhalten sich ohne Sendungsplan über Technikkram. Das ist immer noch zu häufig die Wahrnehmung von privat produzierten Podcasts. Aber stimmt das eigentlich? Wie sieht es mit der Formatvielfalt aus? Gibt es kluge und gewagte Experimente, die die Podcastlandschaft hervorgebracht hat? Und wie findet man eigentlich neues Publikum? Wie durchbricht man die Podcastblase? Sind Live-Podcasts eine Möglichkeit oder befriedigen sie nur die Egozentrik der Macher ohne Mehrwert für den Hörer?

Feedback

Bertolt Brecht schrieb 1932 über das Radio: “Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.” Wenn wir vom Podcast als Zukunft des Radios sprechen, ist es nicht genau das, was damit gemeint sein muss? Aber wie organisieren wir denn Hörerinnen, statt sie nur zu beschallen? Wie kann ein autoritäres Sender-Empfänger-Verständnis überwunden werden? Oder sollte es überhaupt? Welche technischen Lösungen braucht es für einen echten Kommunikationsapparat? Wie wollt ihr als Hörerinnen eingebunden werden - wie wollt ihr als Podcasterinnen mit diesen Kommunikationsmöglichkeiten umgehen? Braucht es überhaupt noch diese Unterscheidung von Hörerinnen und Podcaster*innen?

Freiheit

(Optionales viertes Thema) Podcast waren einmal angetreten, um mit geringem technischen Aufwand interessante Beiträge zu erzeugen. Jeder konnte zum Sender werden und jeder konnte das Publikum für seine Inhalte finden. Ganz so “grassroots” scheint aber die aktuelle Szene nicht mehr zu sein. Arbeitsweisen werden dogmatisch abgelehnt. Mindeststandards für Technik definiert. Vertriebsplattformen, Technik, Software wird kategorisch in “richtig” und “falsch” eingeordnet. Sind wir noch offen für neue Ideen und Wege?

Personen

Nicolas Wöhrl (Methodisch Inkorrekt), Stefan Schulz (Aufwachen Podcast), Moritz Klenk (Podlog)